Januar – Der Monat, der nie leer ist
Wenn das neue Jahr beginnt, ist der Tatort längst da. Kein Neustart, kein Anlaufen – die Reihe läuft einfach weiter, zuverlässig wie die Winterkälte. Seit mehr als fünf Jahrzehnten flimmert sie durch die Januarabende, und wer glaubt, der erste Monat des Jahres sei ein ruhiger, ein überbrückender, der irrt. Über 150 Folgen wurden im Januar erstmals ausgestrahlt. Der Tatort braucht keine Aufwärmphase.
Geburtstage im Januar
Der Januar ist ein erstaunlich dichter Monat, wenn es um die Menschen hinter den Kommissaren geht. Gleich drei Darsteller teilen sich den Neujahrstag: Lisa Bitter, die Johanna Stern in Saarbrücken spielt, Fabian Hinrichs als Nürnberger Eigenbrötler Felix Voss und Elisabeth Brück als Lisa Marx. Ein unwahrscheinlicher Zufall – oder ein Zeichen, dass der Tatort eben auch im echten Leben keine Pause kennt.
Am 15. Januar wurde Meret Becker geboren, die als Berliner Kommissarin Nina Rubin eine der komplexesten Figuren der neueren Reihengeschichte verkörperte. Zwei Tage später, am 17. Januar, feiert Adele Neuhauser Geburtstag – als Bibi Fellner eine der beliebtesten Ermittlerinnen überhaupt, rau, herzlich, unberechenbar, Wien pur.
Oliver Mommsen, der als Nils Stedefreund jahrelang an der Seite von Klaus Borowski durch Kiel ermittelte, kam am 19. Januar zur Welt. Günter Lamprecht, der den Berliner Kommissar Franz Markovitz in den achtziger Jahren prägte, feiert am 21. Januar. Und Carol Schuler, die als Tessa Ott in Zürich ermittelt, folgt am 23. Januar.
Den Abschluss macht Hansjörg Felmy, geboren am 31. Januar 1931. Er spielte Heinz Haferkamp, den Hamburger Kommissar der frühen Jahre, stoisch, knochentrocken, unvergessen. Felmy starb 2007 – aber Haferkamp lebt in den Wiederholungen weiter, so wie alle großen Tatort-Figuren das tun.
Folge des Monats: Tote Taube in der Beethovenstraße (1973)
Manche Tatort-Folgen sind Ausnahmeerscheinungen. Diese hier ist eine davon. Am 7. Januar 1973 lief „Tote Taube in der Beethovenstraße“ erstmals im Ersten – Folge 25 der Reihe, Drehbuch und Regie: Samuel Fuller. Ja, der Samuel Fuller. Der amerikanische Noir-Regisseur, der für seine harten, direkten Filme bekannt war, drehte mitten in der noch jungen Tatort-Geschichte einen Kölner Krimi mit Kommissar Kressin – und schuf etwas, das bis heute aus dem Rahmen fällt. Knapp 100 Minuten, ein Marktanteil von 59 Prozent, eine Handschrift, die man sofort erkennt. Wer diese Folge noch nicht gesehen hat: Der Januar ist der richtige Monat dafür.
Die Zahl des Monats: 151
So viele Tatort-Folgen wurden bislang im Januar erstmals ausgestrahlt. Kein anderer Monat zeigt deutlicher, dass die Reihe keine Jahreszeit bevorzugt und keine Pause braucht. Januar für Januar, seit 1971, läuft der Tatort – und die Zahl wächst weiter.