April – Kein Scherz, nur Mord
Der erste April steht traditionell im Zeichen des Scherzes. Der Tatort interessiert das nicht. Am 1. April 1973 lief „Stuttgarter Blüten“ – und 71 Prozent der Fernsehzuschauer schalteten ein. Kein Witz. Kein Aprilscherz. Nur Tatort, der tut, was er immer tut: Menschen vor den Bildschirm holen und dort festhalten. Mit über 130 Erstausstrahlungen ist der April einer der stärksten Monate der Reihe – und die Geburtstagsliste der Kommissare liest sich wie ein Who’s who der deutschen Fernsehgeschichte.
Geburtstage im April
Simone Thomalla, geboren am 11. April, spielte Eva Saalfeld in Leipzig – eine Kommissarin, die Wärme ausstrahlte und trotzdem hart zupacken konnte. Leipzig ist im Tatort ein besonderer Ort, eine Stadt mit Ecken und Widersprüchen, und Saalfeld passte dorthin.
Klaus Löwitsch, geboren am 8. April 1936, verkörperte Reinhold Dietze in München – ein Kommissar der alten Schule, kantig und unerbittlich. Löwitsch war einer der markantesten Charakterdarsteller seiner Generation, mit einem Gesicht, das Geschichten erzählte, noch bevor er einen Satz gesagt hatte. Er starb 2002.
Alwara Höfels, Jahrgang 1982, feiert am 6. April Geburtstag. Sie spielte gleich zwei Tatort-Figuren: zuerst Henni Sieland in Dresden, später Linda Dräger – eine Wandlungsfähigkeit, die nicht viele Darsteller in der Reihe vorweisen können.
Mehmet Kurtuluş, geboren am 27. April, brachte als Hamburger Undercover-Ermittler Cenk Batu etwas in den Tatort, das lange gefehlt hatte: eine andere Perspektive auf die Stadt, auf Milieu, auf Identität. Seine Folgen waren unbequem – im besten Sinne.
Eva Löbau, Jahrgang 1972, spielt als Franziska Tobler in Freiburg die ruhigere, nachdenklichere Seite eines Duos, das im Schwarzwald ermittelt und dabei nie in die Klischeefalle tappt. Und Rick Okon, geboren am 13. April, war als Jan Pawlak in Dortmund Teil eines der experimentierfreudigsten Teams der neueren Reihengeschichte.
Folge des Monats: Stuttgarter Blüten (1973)
Am 1. April 1973 lief „Stuttgarter Blüten“ – Regie: Theo Mezger – und erzielte 71 Prozent Marktanteil. Das ist der höchste je für eine April-Folge gemessene Wert und einer der höchsten in der gesamten Geschichte der Reihe. Die Folge handelt von Falschgeld, Stuttgarter Milieu und einem Kommissar, der tiefer in die Sache hineingezogen wird, als ihm lieb ist. Was sie heute interessant macht, ist nicht nur die Geschichte, sondern das Dokument einer Zeit: So sah Deutschland 1973 aus, so klang es, so bewegte es sich. Der Tatort ist immer auch Zeitkapsel – und diese hier ist besonders gut erhalten.
Die Zahl des Monats: 71
71 Prozent Marktanteil am 1. April 1973. Das bedeutet: Von allen Menschen, die an diesem Abend in der Bundesrepublik den Fernseher eingeschaltet hatten, sah fast jeder dritte „Stuttgarter Blüten“. Eine Zahl aus einer anderen Medienwelt – und trotzdem kein Aprilscherz.