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Tatort am 30.04.2019


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Der Zufall wollte es, dass bislang keine Tatort-Erstausstrahlung auf einen 30. April fiel. Wenden wir uns also einem anderen interessanten Thema aus der Welt des Tatorts zu:

Die Frauen-Quote im Tatort.
Dass es schwierig ist, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, ist hinlänglich bekannt. Zwar sind die Möglichkeiten und Kompromisslösungen heute mannigfaltiger als noch vor einigen Jahrzehnten, doch eine Kriminalhauptkommissarin hat nach wie vor einen harten Job, der sie voll und ganz fordert. Da werden Überstunden geleistet und gleichzeitig das Essen für das Schlüsselkind in der Mikrowelle zum Aufwärmen bereitgestellt. Hinzu kommt, dass der Beruf einer Kriminalbeamtin im Außendienst durchaus mit Risiken behaftet ist: Schusswechsel mit Gangstern sind zwar selten, aber von angewendeter Gewalt gegen Polizisten liest man in der Presse immer wieder.

Die Tatort-Drehbuchautoren lösen dieses Problem oft praktisch: die Kommissarinnen sind entweder kinderlos oder über ihr Privatleben ist kaum etwas bekannt. Viele Ermittlerinnen sind geschieden und das Kind lebt beim Vater. In den letzten Jahren ist diesbezüglich allerdings ein Wandel zu beobachten: Kommissarin Lindholm aus Hannover wurde in einer Episode ungewollt schwanger und übernahm fortan die Rolle der alleinerziehenden, das Leben selbstständig meisternden Mutter im Tatort. Kira Dorn von der Kripo Weimar war in ihrem ersten Fall ebenfalls schwanger, verbat sich aber Nachfragen zum Vater des Kindes – nein, sie wollte keine Sonderbehandlung und arbeitete einfach wie gewohnt weiter. Es ist eine neues völlig natürlich wirkendes Selbstverständnis der Frau, das hier an den Tag gelegt wird: Kind und Karriere, ja das geht.
 
Die erste Tatort-Kommissarin war Marianne Buchmüller aus Mainz gewesen, die zwischen 1978 und 1980 in drei Fällen die Ermittlungen leitete. Sie versuchte nicht, sich durch einen Hosenanzug den männlichen Mitarbeitern im Kommissariat anzupassen, im Gegenteil: die Chefin kleidete sich betont weiblich. Sie hatte allerdings einen harten Befehlston am Leib. Anscheinend fiel es der ersten Ermittlerin in der Tatort-Serie noch schwer, sich auf anderem Weg durchzusetzen.

Acht Fälle löste Hanne Wiegand, die Kommissarin aus Baden-Baden der 80er Jahre. Sie war geschieden und hatte keine Kinder. Unter großen weiten Mänteln mit Kapuzen verbarg sie ihr zerbrechliches Äußeres. Ihre Karriere dauerte von 1981 bis 1988.

Im Jahr 1989 tauchte die bis heute (Stand: 2015) auf Dauer erfolgreichste ermittelnde Frau im Tatort auf: Lena Odenthal aus Ludwigshafen. Die selbstbewusste Hauptkommissarin hat kein Privatleben, sie lebt für den Job. In der Mordkommission hat sie sich im überwiegend männlichen Kollegium viel Respekt erarbeitet, sie ist mindestens so zäh wie die Männer. Im Jahr 2014 feierte sie ihr 25. Tatort-Dienstjubiläum.

Nur zwei Fälle löste Kommissarin Lea Sommer im Jahr 1997, bevor die Bremer Ermittlerin Inga Lürsen im gleichen Jahr die Frauen-Quote im Tatort pushte. Auch sie lebt alleine, Gesellschaft leistet ihr nach Feierabend der geliebte Hund. Ihre Tochter lebt beim Ex-Mann, so kann sich Inga voll und ganz auf ihre Karriere bei der Polizei konzentrieren. Sie weiß selbst, dass sie ihrem Kind in der Vergangenheit eine schlechter Mutter war und findet es gut, dass Helen nun ein geregeltes Leben beim Vater hat.

Bereits in diesem Artikel angesprochen wurde die Figur der Hauptkommissarin Charlotte Lindholm aus Hannover, die über viele Jahre als etwas unterkühlte, distanzierte Frau ermittelte und plötzlich schwanger wurde. Es war die Idee der Schauspielerin Maria Furtwängler selbst, Lindholm in der Tatort-Serie ein Kind bekommen zu lassen. Dass die Kommissarin auch noch hochschwanger an Tatorten ermittelte war Ausdruck ihres beruflichen Ehrgeizes. Die Momente mit ihrem Nachwuchs ließen die Frau aber, die eigentlich eine Einzelgängerin war, mit der Zeit weicher und emotionaler werden. Damit wendete sich der Tatort ab von der einseitigen Sicht auf die erfolgreiche Karrierefrau, die stets hart und gefühlskalt wirkte. Dieses Bild erschien eh längst überholt.
 
Es gab und gibt noch viele andere Kommissarinnen, die im Laufe der Tatort-Geschichte auftauchten und sicher erwähnenswert wären – sie alle detailliert aufzuzählen, würde allerdings den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Da sind unter anderen Eva Saalfeld aus Leipzig, Klara Blum aus Konstanz am Bodensee, Bibi Fellner aus Wien, Conny Mey aus Frankfurt, Kira Dorn aus Weimar und Sarah Brandt aus Kiel zu nennen. Insgesamt sind mehr als ein Drittel aller Tatort-Kommissare weiblich, Tendenz steigend. Zeitgleich steigt aber auch der Männeranteil, einfach deshalb, weil die Tatort-Teams immer größer werden: es wird heute nicht mehr alleine, sondern teilweise schon zu viert ermittelt. 2016 soll ein Dresdner Team seinen Einstand feiern, das von drei Frauen geleitet wird. Tatort-Fans dürfen gespannt sein auf die Entwicklung hinsichtlich der Frauen-Quote und des Bildes, das von der modernen Frau und Mutter gezeichnet werden wird.


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