August – Hochsommer, hohe Quoten
Der August ist Urlaubsmonat. Die Straßen leeren sich, die Freibäder füllen sich, und der Sonntagabend gehört eigentlich dem Garten. Trotzdem saßen am 31. August 1975 so viele Menschen vor dem Fernseher, dass „Schöne Belinda“ einen Marktanteil von 70 Prozent erzielte. Sieben von zehn eingeschalteten Fernsehgeräten liefen auf den Tatort. Mitten im Sommer. Der August ist im Tatort-Kalender zwar einer der ruhigeren Monate mit nur 64 Erstausstrahlungen – aber wenn er zuschlägt, schlägt er hart.
Geburtstage im August
Der 8. August gehört Jan Josef Liefers. Als Professor Karl-Friedrich Boerne in Münster hat er eine Figur erschaffen, die im deutschen Fernsehen einzigartig ist: arrogant, brillant, verletzlich und komisch zugleich. Boerne ist kein Kommissar – er ist Rechtsmediziner – und trotzdem die Seele des erfolgreichsten Tatort-Teams der Reihe. Liefers spielt ihn mit einer Leichtigkeit, die schwer zu erreichen ist, und mit einer Präzision, die man erst bemerkt, wenn man genau hinschaut.
Axel Milberg, geboren am 1. August, ermittelt als Klaus Borowski in Kiel – ein Kommissar, der denkt, bevor er handelt, und manchmal so lange denkt, dass er fast zu spät handelt. Borowski ist introvertiert, eigensinnig, norddeutsch bis auf die Knochen. Milberg spielt ihn seit 2003 mit wachsender Tiefe.
Heike Makatsch, Jahrgang 1971, feiert am 13. August Geburtstag. Als Ellen Berlinger in Köln brachte sie nach dem Ende des legendären Duos Ballauf und Schenk – nein, das ist noch nicht das Ende – frischen Wind in einen traditionsreichen Standort. Fahri Ogün Yardim, geboren am 7. August, spielte Yalcin Gümer, Falkes Partner in Hamburg: warmherzig, verlässlich, der menschliche Gegenpart zu einem manchmal schwer zugänglichen Duo.
Stefan Gubser, ebenfalls am 1. August geboren, spielte Reto Flückiger im Schweizer Tatort – ruhig, präzise, mit einer alpinen Gelassenheit, die gut zur Luzerner Kulisse passte. Und Petra Schmidt-Schaller, Jahrgang 1980, war als Katharina Lorenz in Saarbrücken Teil eines Teams, das dem Standort neue Energie gab.
Folge des Monats: Schöne Belinda (1975)
Am 31. August 1975 lief „Schöne Belinda“ – Regie: Theo Mezger – und erzielte 70 Prozent Marktanteil. Eine Zahl, die selbst für die quotenstarken Siebziger außergewöhnlich ist. Im August. Im Hochsommer. Die Folge zeigt, was der Tatort in seiner frühen Blütephase leistete: Er holte die Menschen nach Hause, auch wenn das Wetter dagegen sprach. „Schöne Belinda“ ist heute ein wenig bekanntes Stück Fernsehgeschichte – aber die Zahl hinter ihr spricht für sich.
Die Zahl des Monats: 70
70 Prozent Marktanteil im August 1975. Es ist die höchste je für einen Sommermonat gemessene Quote in der Geschichte der Reihe. Kein Juli, kein Juni kommt ihr nahe. Der Tatort hat den deutschen Sommer nie wirklich losgelassen – und der August 1975 beweist, dass er ihn auch dann gewann, wenn alle anderen aufgaben.