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Tatort am 27.03.2018


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Die Erstausstrahlung einer Tatort-Folge ist stets – so empfinden es die meisten Tatort-Fans zumindest – eine spannende Sache. Überzeugt das Drehbuch? Ist die Darstellung authentisch, gibt es Logikfehler? Schaffe es die Schauspieler, glaubhaft in der Rolle des Ermittlers oder Mörders zu agieren? Das sind Fragen, die im Vorfeld auftauchen könnten. Der Tatort ist dafür bekannt, stets gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen und zu verarbeiten. Nicht selten sind dies auch Tabu-Themen, so dass die Erstsendung eines Tatorts eine hitzige Debatte nach sich ziehen kann. An einem 27. März wurde eine Episode erstgesendet, die es in sich hatte:
 
Ein solcher Tatort nämlich, der einen regelrechten TV-Skandal bei seiner Premiere auslöste und zum allgemeinen Tagesthema avancierte, war „Reifezeugnis“. Die Erstausstrahlung am 27.03.1977 fand wie üblich in der ARD statt. Die Episode, der sechste Fall für den Kieler Kommissar Finke, drehte sich um eine brisante Thematik: Ein Lehrer hat ein Verhältnis mit seiner minderjährigen Schülerin. Die Rolle der 17-Jährigen übernahm Nastassja Kinski, die Tochter des 1991 verstorbenen berühmt-berüchtigten Schauspielers Klaus Kinski. Der im Film 32-jährige Lehrer Helmut Fichte wurde von Christian Quadflieg gespielt. Zwar bemüht sich im Tatort ein gleichaltriger Schüler um die hübsche Sina, doch die hat nur Augen für den weitaus älteren Pauker. Sie und Fichte beginnen eine heiße Affäre. Als Sinas Verehrer Michael hinter das Geheimnis der zwei kommt, erpresst er seine Mitschülerin, alles zu verraten – es sei denn, sie hat Sex mit ihm. Sina willigt ein, erschlägt ihn dann aber brutal, als er sich an ihr zu schaffen macht. Hauptkommissar Finke übernimmt die Ermittlungen in diesem heiklen Fall.

Für die noch junge Darstellerin Nastassja Kinski bedeutete dieser Tatort der Durchbruch, weil sie in ihrer Rolle als verführerische Sina Wolf einem breiteren Publikum bekannt wurde. Auch dem Regisseur der Folge, Wolfgang Petersen, öffneten sich nach der Erstsendung am 27. März 1977 neue Wege – er landete Jahre später in Hollywood und wurde ein erfolgreicher Regisseur, Produzent und Drehbuchautor („Outbreak – Lautlose Killer“, „Troja“, „Air Force One“).

Bevor die große Karriere in den USA allerdings ihren Lauf nahm, war Petersen für diverse gute Tatort-Inszenierungen bekannt geworden: Bereits in den Anfangsjahren der Tatort-Reihe drehte Wolfgang Petersen seinen ersten Tatort mit der Folge „Blechschaden“, Folge Nummer 8 aus dem Jahr 1971. Dies war seine erste Zusammenarbeit mit dem Darsteller des Kommissars Finke, Klaus Schwarzkopf. Auch Finkes zweiten Fall setzte Petersen mit Schwarzkopf um, das war im Folgejahr in der Tatort-Folge „Strandgut“, ebenso die Fälle drei bis fünf des Kieler Ermittlers. Die NDR-Produktion „Reifezeugnis“ war ihre sechste gemeinsame Arbeit, anschließend wandte sich Wolfgang Petersen vermehrt der Realisation von Drehbüchern für Kinoproduktionen zu und drehte keine weiteren Tatorte mehr.

Mit dem Film „Das Boot“, für das Petersen das Skript und die Regie übernahm, gelang dem geborenen Emdener 1981 der Durchbruch: sechs Oscar-Nominierungen und eine für den Golden Globe folgten, außerdem der Gewinn etlicher deutscher Filmpreise.


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