Tatort im Sender SRF

Es gibt sie noch, die kleinen gemeinsamen Rituale. Seit über fünfzig Jahren versammelt der «Tatort» an Sonntagabenden ein Millionenpublikum – und in der Schweiz läuft das etwas anders als bei unseren Nachbarn . Während in Deutschland und Österreich um 20.15 Uhr der Mordfall startet, ermittelt der SRF bereits um 20.05 Uhr. Eine Viertelstunde, die uns gehört, und ein Zeichen dafür, wie sehr diese Krimireihe hierzulande eine eigene Geschichte geschrieben hat .

Die Schweizer Beteiligung am wohl letzten grossen Lagerfeuer des deutschsprachigen Fernsehens begann 1990 mit einem Paukenschlag: In Bern löste Walter Howald (Matthias Gnädinger) seinen ersten Fall – und endete selbst als Täter, ein Novum in der Reihe . Es folgten die Berner Jahre mit Teams um Carlucci und von Burg, ehe der SRF 2002 vorerst ausstieg . Seit 2011 ist man zurück, mit einer eigenen Handschrift, die bis heute für Diskussionen sorgt: Neun Jahre lang ermittelte das Luzerner Duo Flückiger und Ritschard (Stefan Gubser und Delia Mayer) – bodenständig, sozial engagiert, aber nicht unumstritten . Kritiker monierten bisweilen die Betonung der Landschaft über dem Kriminalfall .

Seit 2020 ist der «Tatort» nun in Zürich zu Hause, mit Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) und Tessa Ott (Carol Schuler). Die eine kommt aus der Romandie und vom Internationalen Strafgerichtshof, die andere aus reichem Hause und neu bei der Polizei . Der Wechsel in die grösste Stadt des Landes war Programm: weg vom Sonntagsfernsehen mit Postkartenblick, hin zu Stories über «Spätkapitalismus und Klassenkampf», wie es einer der Autoren formulierte . Es geht um die Schattenseiten des Bankenplatzes, um Milieus, in denen sich viel Geld und nicht weniger Abgründe treffen.

Das macht den Reiz dieser Reihe aus: Von Münster bis Wien, von München bis Zürich – jeder Ort hat sein eigenes Tempo, jede Ermittlerin ihre eigene Art, an die Wahrheit zu kommen. Ob man den alten Bekannten aus Hamburg zusieht oder hierzulande den neuen Fällen aus Zürich – die regionale Verankerung ist das Herzstück dieses Konzepts .

Die nächste Gelegenheit, einen dieser Fälle zu sehen, findet sich in der Terminliste oben. Sonntagabend, 20.05 Uhr auf SRF 1 – der Mord wartet.

Tatort nach Sendeanstalt

seperator